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Ein halbes Jahr Abenteuer – Klassenzimmer
unter Segeln
Ein halbes Jahr war ich unterwegs mit 29
anderen Jungs und Mädchen aus Bayern. Wir alle besuchen noch die 10.Klasse.
KUS ist ein Projekt der Uni Erlangen-Nürnberg.
KUS bedeutet Klassenzimmer unter Segeln, denn wir haben den größten Teil der
Zeit auf einem Segelschiff verbracht.
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Letztes Jahr sind wir am 21. Oktober nach
Harlingen (Holland) gefahren, wo wir zuerst eine Woche lang die Möglichkeit
hatten uns gegenseitig und das Schiff
kennen zu lernen, indem wir bei den letzten Vorbereitungen geholfen haben.
Am 26. Oktober ging es dann mit einem Tag Verspätung endlich los. Auch wenn
uns der Abschied schwer fiel, waren wir alle gespannt, was kommen würde.
Nach kleinen Zwischenhalten in Amsterdam (ein Segel) und Brest (letzte
Lehrerin) war unser erster großer Landaufenthalt auf den Kanaren. Auf
Teneriffa waren wir mit Schülern der deutschen Schule unterwegs und
bestiegen den Teide.
Gegen Ende des Landaufenthalts bekamen wir
endlich unser Rahsegel – damit waren wir bereit für die Atlantiküberquerung.
20 Tage lang konnten wir kein Land sehen. Zuerst eine spannende Erfahrung.
So mitten auf dem Atlantik trifft man auch nicht so viele Menschen; selten
mal ein Schiff am Horizont. Am 21. Tag kamen uns, noch bevor wir Land sehen
konnten, Fischer entgegen. Ein tolles Gefühl, wieder in der Zivilisation zu
sein.
Wir warfen Anker in einer Bucht bei Ansemitan
einem Teil von Martinique. Hier verbrachten wir die ersten paar Tage, bis
wir unser Schiff in den Hafen der Hauptstadt – Fort de France brachten. JA!
Handyempfang – endlich Kontakt nach Hause – mit Eltern, Geschwistern und
Freunden telefonieren.
Viel gesehen haben wir dort leider nicht, mal
abgesehen von ein paar einzelnen Ausflügen die wir während der Landgangszeit
in die Stadt unternommen haben, denn nach 20 Tagen auf See, mussten wir die
kleinen Schäden und Mängel an unserem Schiff ausbessern und vor allem aber
einkaufen und neu verproviantieren.
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Also wieder weiter durch die Karibik in
Richtung Panama.
Weihnachten verbrachten wir bei den Tobago
Cays – es war ein Traum. Am Vormittag schnorcheln gehen, anschließend vom
Strand aus zuhause anrufen, wo gerade die Familie von der Kirche nach Hause
kommt. Der Abend war natürlich in keinster Weise, wie gewohnt.
Weihnachtsstimmung wollte bei fast 30°C einfach nicht aufkommen. Wir hatten
dennoch unseren Spaß mit einer kleinen Andacht, einem Krippenspiel der – hm,
ja – sehr begabten Wache 2 und vor allem dem größten und leckersten
Festessen, das ich je erlebt hab.
Silvester waren wir schon wieder auf See,
sodass um 23.50 alle geweckt werden mussten. (wenn man von
2 – 5 Uhr Wache hat, bleibt man einfach nicht wach – das tut man sich
nicht an)
Vor Panama liegen die San Blas Inseln, die zum
Kuna Yala – dem Gebiet der Kuna-Indianer gehören,
so wurden wir auch gleich von diesen begrüßt. Auf einer der Inseln
haben wir auch für eine Nacht unsere Hängematten aufgehängt... wurde etwas
feuchter :-).
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Panama war der 1. von den 2 größten
Landaufenthalten.
Die ersten Tage waren wir in Miguels Tucancamp
untergebracht. Miguel ist mit uns auch ein ganzes Stück durch den Dschungel
gewandert bis zu einem Wasserfall, an dem wir baden konnten und anschließend
Mittag gegessen haben. Zurück im Camp waren wir erst kurz nachdem es schon
dunkel war. Nachts im Dschungel ist es wirklich, richtig dunkel.
Wir sind trotzdem nach der Anstrengung noch im
Fluß baden gegangen. Bei Vollmond.
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Danach ging es mit dem Bus weiter nach Panama
City, wo mir eine deutsch-panamaische Familie die Stadt zeigte. Am Abend
waren wir in die Residenz des deutschen Botschafters eingeladen. In Panama –
dem Land der Gegensätze ist der Sprung zwischen Reichtum und Armut so groß.
Keine Minute mit dem Auto kommt man von dem absoluten Reichenviertel zu den
armen Menschen, die unter furchtbaren Umständen leben müssen. Aber die
Menschen dort sind an den Anblick bereits gewohnt, so macht sich auch
niemand weiter Gedanken darüber.
Über Colon und David fuhren wir schließlich
nach Boquete. Dort verbrachte jeder von uns eine Woche in einer Gastfamilie.
Vormittags besuchten wir die Sprachenschule „Habla Ya“ wo wir richtig
Spanisch lernten. Unsere Gastfamilien sprachen natürlich auch nichts
anderes.
Am Wochenende stiegen einige von uns mit auf
den Berg Baru. Der einzigen Punkt auf der
Welt, von dem man gleichzeitig Atlantik und Pazifik sehen kann.
Viel zu schnell war der Landaufenthalt vorbei
und wir machten uns auf in Richtung Kuba.
Für mich die schönste Etappe – für viele die
schlimmste. Wenige Tage nach dem Auslaufen hatten wir Windstille, doch bevor
wir den Motor anschalteten, lies sich unser Kapitän überzeugen, sodass wir
baden durften, jedoch konnten immer nur 2 gleichzeitig reinspringen und
mussten hinten am Schiff wieder zusteigen.
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Es war trotzdem ein unglaubliches Erlebnis,
weit weg von jedem Land, mitten auf dem Meer baden zu können.
Schon 2 Tage später hatte das Wetter gänzlich
umgeschlagen. Schon ein kleinerer Sturm. Für mich war es ein unglaubliches
Gefühl bei so hohen Wellen an Deck zu stehen, auch wenn man danach mehr als
nass ist. Die meisten sind leider wieder seekrank geworden und konnten es
deshalb gar nicht genießen.
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Kuba war unser 2. großer Landaufenthalt. Man
versucht dort den Touristen ein ganz bestimmtes Bild von dem Land zu
vermitteln. Wir waren in verschiedenen Schulen und Internaten und bei
Tabakbauern. In Havanna haben wir uns für die Kleinexkursionen getrennt.
Selbstständig mussten wir zu siebt mit einer Lehrerin – jede Gruppe woanders
- unseren Aufenthalt organisieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten
wir richtig viel Spaß in Santa Clara und nach einer Woche trafen wir uns
schon wieder in Havanna, wo der Rest unserer Mannschaft mit dem Schiff auf
uns wartete. Sie waren in der Zwischenzeit zum Verproviantieren in Mexiko.
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Auf dem Weg durch die Strasse von Florida
hatten wir einen ganzen Tag lang hervorragenden Blick auf die Skyline von
Miami, die wir leider nur sehnsüchtig verfolgen konnten, denn da wir aus
Kuba kamen, durften wir natürlich nicht in den USA einlaufen.
Auf den Bermudas hatten wir mehr Freizeit als
gewohnt. Einen Tag lang haben wir die Hauptstadt besucht. Sonst hatten wir
trotzdem viel zu tun, den wegen Seekrankheit ausgefallenen Unterricht
nachzuholen.
Und eine Woche später waren wir schon wieder
auf See. Unterwegs zu den Azoren. Wir dachten hey, gehört zu Portugal,
endlich wieder Europa. Zivilisation mit vielleicht annehmbaren Preisen.
Mittlerweile war es auch so, doch wenn man darüber nachdenkt, dass dort erst
vor 5 Jahren der erste Supermarkt eröffnet wurde... Wir haben das unter
Seglern sehr berühmte „Peter's Café Sport“ besucht und uns auch gleich auf
der Pier verewigt, wo jedes Schiff und jede Besatzung, die den Atlantik
überquert hat, seine Spuren hinterlässt.
Beim Whalewatching hatten wir leider überhaupt
keinen Erfolg. Im Gegensatz zu unserem normalen Alltag. Ein paar
Delphinschulen – mehr nicht.
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Und kaum hat man sich versehen, liefen wir
schon aus in Richtung Deutschland – es ging wieder nach Hause.
Unterwegs liefen wir noch einmal Amsterdam und
Harlingen an, bis wir schließlich in Hamburg von unseren Eltern wieder
empfangen wurden.
Für uns am Schluss
Alltag, war auch ein normal Tag auf See irgendwie besonders. Es gab 4
verschiedene Wachzeiten. 11-2, 2-5, 5-8, 8-11. Jeweils 3 Std. tags und
nachts. Wache gehen heißt den Schiffsbetrieb am laufen halten. Ruder und
Ausguck gehen, jede Stunde die Position in der Karte eintragen. Wetter
bestimmen und zum Wetterdienst schicken und natürlich die Segelmanöver
fahren. Segel setzen und bergen, wenden und halsen. Wir sollten auch jeden
Tag 2 Stunden Freiarbeit machen, also für die Schule den Stoff von Zuhause
nachholen.
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Außerdem hatte jede Wache eine
„Reinschiffstation“ Messe (Aufenthaltsraum) und Niedergänge, Proviant, Deck
, sanitäre Anlagen. Das musste auch jeden Tag geputzt werden. Samstag – bei
Großreinschiff besonders gründlich.
Jeden 2. Tag hatten 15 von uns Unterricht,
sodass immer die halbe Wache das Schiff gesteuert hat und die andere Hälfte
gelernt hat.
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Natürlich musste auch jeden Tag irgendwie
gekocht und abgespült werden.
Das hat die Backschaft gemacht. Die bestand
meist aus 3 Schülern und einem Erwachsenen – aus jeder Wache einer. Das hieß
den ganzen Tag 45 hungrige Mäuler stopfen. Von 5:30 (Wecken der Backschaft)
bis oftmals 9 oder 10 Uhr abends, bis alles abgespült, die Kombüse geputzt
und abgenommen war.
Frühstück gab es von 7.30 bis 10. Mittagessen
um 12 und Abendessen meist um 18 Uhr.
Ab und zu haben wir dann Delphine (z.T.
Schulen von bis zu 400 Delphinen!) oder Wale gesehen.
Das war schön, aber nach einiger Zeit kein
besonderes Erlebnis mehr.
Nach denen wurde ich nämlich seit ich wieder
hier bin schon oft gefragt. Die schönsten und die schlimmsten Erlebnisse der
Reise.
Kann man natürlich so nicht sagen, aber man
kann Beispiele geben. Ein wunderschönes und unvergessliches Erlebnis waren
für mich die Tage bei Miguel. Die lange Wanderung zum Wasserfall, aber
besonders eigentlich das Baden nachts bei Vollmond in dem kalten Fluss. Und
dann die Geräusche dazu nachts im Urwald.
Ein schlimmes Erlebnis für mich war die
Besteigung des Teide. Wir haben auf 3260m in einer Hütte übernachtet und
sind morgens um 5 Uhr – noch im Dunkeln aufgebrochen um bei Sonnenaufgang
oben zu sein. Auf etwa halber Strecke konnte ich keine Luft mehr bekommen.
Ich hatte schon fast gedacht jetzt wär es vorbei. Aber letztendlich hab ich
es bis zu Sonnenaufgang doch noch ganz rauf auf 3718 Höhenmeter geschafft.
Stark in Erinnerung sind mir auch die 3
Schiffsübergaben geblieben.
Schiffsübergabe heißt, dass die Schüler alle
wichtigen Posten übernehmen. Kapitän, Steuerleute, Projektleitung,
Wachführer, Copis, Proviantmeister, Bootsmänner, Maschinisten...
Für einen Posten muss man sich ganz normal bei
Schiffs- und Projektleitung bewerben und auch Qualifikationen vorweisen
können. Im großen und ganzen ist das dafür da, dass wir lernen Verantwortung
zu übernehmen und unsere Aufgaben zuverlässig auszuführen.
Der Schwierigkeitsgrad steigert sich:
1.Schiffsübergabe: 1-2 Tage + Einlaufen in
Ansemitan
2.Schiffsübergabe: ca. 7 Tage zu den Bermudas
+ Organisation des Landprogramms
3.Schiffsübergabe: 14 Tage vom Eingang zum
Englischen Kanal bis zum Einlaufen in Hamburg
Auf der 1. Schiffsübergabe war ich
Wachführerin, die 2. hab ich ausgesetzt und bei der 3. bin ich Steuerfrau
geworden.
Wir mussten das Schiff also am Eingang zum
englischen Kanal übernehmen und sicher nach Hamburg bringen.
Hätten wir mehr Zeit und besseren Wind gehabt,
wären wir in Dover eingelaufen, sollte wohl einfach nicht sein.
Als hätten wirs mit dem englischen Kanal nicht
schon schwer genug, mussten die französischen Fischer auch noch streiken,
d.h. Sie sind z.T. ohne Licht wild in der Gegend rumgefahren, und haben so
sogar unsere Ausweichmanöver vereitelt... Da wurde unser Kapitän doch etwas
nervös.
Nach Amsterdam (zum Segelflicken) und
Harlingen (TÜV-Abnahme) kamen wir dennoch und von da haben wir es dann auch
bis zurück nach Deutschland geschafft.
Ziemlich anstrengend war es schon. Wir
Steuerleute sind schließlich 10 Std. Wache am Tag gegangen. 5Std. Tagsüber
5Std. Nachts.
Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht.
Ich hab auf der Reise unglaublich viel
gelernt. Neben Spanisch, den neuen Ländern, Kulturen und mit Menschen auch
auf engem Raum zu leben, anders mit seinen Problemen fertig zu werden und,
dass Schlaf überbewertet wird ;-)
Meiner Meinung war es eine Reise, die
eigentlich jeder erlebt haben sollte.
Also wenn ihr die Möglichkeit habt, dann
bewerbt euch unbedingt. Ihr werdet es nicht bereuen.
Eure Stefanie
Mehr Infos, unter anderem die Tagebücher der
Reise findet ihr unter
www.kus-projekt.de
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