Projekte im Schuljahr 2010/11

Im letzten Schuljahr führten gleich zwei verschiedene Kurse der Oberstufe ihre Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit vor. Beidesmal erforschten die Schülerinnen und Schüler die Grenzene menschlichen Empfindens und grundlegende Fragen der Existenz in postdramatischen Inszenierungen.

Das Experiment

 

Eine außergewöhnlich tiefgehende Erfahrung machte der letzte Grundkurs „Dramatisches Gestalten“ der K2 mit einem „Experiment“ besonderer Art. Erst zehn Minuten vor Beginn der Aufführung erhielten die Spieler einen ihnen bis dahin völlig unbekannten Text, den sie nach kurzer Orientierung ganz ohne Absprache oder vorherige Planungen spontan gemeinsam live umsetzten. Zur Hilfe wurde der gesamte Text per Beanwer hinter den Zuschauern an die Wand projiziert, sodass die Spieler stets den Blickkontakt zum Publikum halten konnten und ihr Spiel direkt und intensiv auf die Zuschauer einwirkte. Das vorgegebene Stück, Sarah Kanes berühmtes monologisches Drama „4.48 Psychose“, verlangte den 12 Spielern nicht nur physisch sondern auch psychisch wirklich alles ab. Die Zerrissenheit, Qual und Ausweglosigkeit einer von Depressionen zerfressenen Frau in einer geschlossenen Anstalt, ihre unzähligen Selbtsmordversuche und die erschreckende Klarheit, die jede Nacht um 4.48 Uhr ihr Bewusstsein erlebte, wurden auf äußerst eindringliche Weise umgesetzt. „Ganz, ganz faszinierend, mutig, spannend, traurig, lustig, bewegt und bewegend, anstrengend, fordernd ... der Abend war ganz vieles, was Theater sein will und so oft doch nicht ist,“ fasste das Lob des Theaterpädagogen Johannes Beissel den Abend zusammen.

Shakespearchen und Hamletmaschine

Selbstständig in Kleingruppen erarbeitete der Kurs „Dramatisches Gestalten“ der Q1 und Q2 den Inhalt verschiedener Shakespearedramen zu kurzweiligen Einaktern um. So fand sich beispielsweise Hamlets Geschichte als Unterhaltung zwischen Dienern auf Schloss Helsingör, Othellos Drama wurde als Theaterprobe umgearbeitet und Heinrich V erfuhr eine fränkische Bearbeitung. Zusammengehalten wurden diese Einzelszenen durch dramatisierte Sonette des englischen Schriftstellers.
Im zweiten Teil des Abends wurden die eigenen dramatischen Versuche der Kursteilnehmer dann kontrastiert mit einer postdramatischen Bearbeitung von Szenen aus Heiner Müllers „Hamletmaschine“. Zur Musik von radiohead entstand ein eindringliches Psychogramm der Figur Hamlets, eines Menschen zwischen Verzweiflung und Lebensmut, zwischen Hoffnung und Wut, zwischen Realität und Spiel im Spiel.
Rainer Fliege

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