Neuer Schüleraustausch mit Valbonne in Frankreich 21013

Wir tauschen Bett, Teller, Schulbank, Sprache, Sonne und ganz viele Emotionen!

In der Woche vor den Osterferien verbrachten 23 Schülerinnen und Schüler des HSG zusammen mit ihren Betreuungslehrern, Frauke Hoffmanns und Rainer Fliege, neun erlebnisreiche und abwechslungsreiche Tage in und um Valbonne an der Cote d’Azur.
Ein Aufenthalt voller neuer Erfahrungen: das französische Schulsystem, die opulente französische Küche, die französische Lebensart, blaues Meer und schneebedeckte Berge nebeneinander auf einem Foto, getrennte und gemeinsame Ausflüge nach Grasse, in die Hauptstadt des Parfüms, nach Nizza in alte barocke Paläste und zum Picknick ans Meer. Aber auch in die nach antikem Vorbild errichtete Villa Kerylos und nach Monaco, wo wir beim Besuch des ozeanographischen Museums sogar Fürst Albert persönlich antrafen! Wenn Engel reisen!
Die vielen Begegnungen in den Familien und beim gemeinsamen Schulbesuch vertieften nicht nur unsere Französischkenntnisse sondern auch die gegenseitige Verbundenheit mit unseren westlichen Nachbarn.

Nicht minder begeistert waren die französischen Schülerinnen und Schüler bei ihrem Gegenbesuch in Fürth nach den Osterferien: von der Gastfreundschaft ihrer deutschen Partnerfamilien, von Fürth als „freundlicher, angenehm ruhiger Stadt“, aber auch von dem riesigen Angebot an Döner, von Nürnberg mit seiner bewegten Geschichte, einem Blick hinter die Kulissen des Opernhauses, einem abwechslungsreichen Tag in der Fränkischen Schweiz und den abendlichen Aktionen mit ihren neuen Freunden.
Eine besondere Symbolkraft kam im Jubiläumsjahr zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Elysée -Verträge dem Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg zu. Gemeinsam mit ihren deutschen Austauschpartnern besichtigten die Schüler und Lehrer aus Frankreich das Konzentrationslager und die Ausstellungsräume. Viel Erschrockenheit, viel Nachdenken, viel Stille - gemeinsam durchlebt. Auf beiden Seiten dieselben Fragen, dasselbe Nachdenken und auch dieselben Tränen.
Und doch stand am Ende des Tages wie des gesamten Schüleraustausches auch bei den Jugendlichen das Bewusstsein und die Erkenntnis, wie viel Kraft grenzübergreifende Freundschaft dem historischen Schrecken entgegensetzen kann.

Ein internationaler Schüleraustausch in diesem Sinne ist sicherlich bildend fürs Leben!
Rainer Fliege  

Gegenbesuch der französischen Schüler aus Valbonne/Nizza in Fürth im April 2013

Der Begleiter der französischen Schüler aus Valbonne, Monsieur Michel Sardeing1, unterrichtet Deutsch am Lycée Simone Veil und hielt am Abschlussabend der Begegnung folgende Rede in deutscher Sprache:

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen!Zuerst möchte ich Frau Hoffmanns und Herrn Fliege danken, die als erste den Mut gehabt haben, zu uns zu kommen. Aller Anfang ist schwer, aber in diesem Fall war er mehr angenehm als schwer. Jetzt aber sind wir Ihre Gäste. Die Schüler wurden in den Gastfamilien herzlich empfangen, wir waren bei unseren Kollegen eingeladen und haben den Alltag des deutschen Schulsystems besser kennen gelernt.

Ich möchte an diesem Abschiedsabend die wichtige Rolle betonen, die Herr Heydenreich gespielt hat. Er hatte den Anstoß gegeben, er hat den Weg vorgezeichnet. Er hat uns seine Liebe zu unserem Land gezeigt. Durch ihn hat dieser Schüleraustausch ausgezeichnet funktioniert.

Wichtig und tief sind die Zeichen der Freundschaft, die uns jeden Tag unsere Kollegen Frau Hoffmanns und Herr Fliege entgegengebracht haben. Sie haben sich jeden Tag darum bemüht, sich an unsere exotischen Lehrmethoden anzupassen, und sie haben alles getan, damit unser Aufenthalt perfekt verlief.

Herr Ruminski und ich möchten uns ganz herzlich bei den Eltern bedanken, die unsere Schüler so freundlich aufgenommen haben.“

Monsieur Julien Ruminski unterrichtet Physik und Chemie ebenfalls am Lycée de Valbonne und fügte auf der Basis seiner in der eigenen Schulzeit erlernten Deutschkenntnisse folgende Worte hinzu.
„… dieser Schüleraustausch, der für mich der erste in Deutschland war, war sehr lehrreich. Ich habe mit großem Vergnügen und viel Interesse einen Eindruck bekommen vom Schulleben, von der fränkischen Gastronomie, der deutschen Kultur und Sprache – kurz gesagt von einem sehr gastfreundlichen und warmherzigen Land. Dies ist hoffentlich nur der Anfang einer langen Freundschaft zwischen allen Beteiligten.
Da ich nur alte Erinnerungen an die deutsche Sprache habe, möchte ich Frau Hoffmanns und Herrn Fliege danken, dass sie mir so oft geholfen haben, damit ich in ihrer Sprache ein paar Worte sagen kann, und dass sie mir die Lust an ihrer Sprache wiedergeschenkt haben.
Was mich betrifft, wird es mir nun stets eine große Freude sein, nach Deutschland zurückkehren zu können, sei es privat oder beruflich.Ich danke Ihnen allen und hoffe, dass mein Deutsch verständlich war.
Bonne soirée à tous!“

 1 Beachten Sie bitte auch den folgenden Artikel aus der Familienchronik des Herrn Sardeing.

Der Hauch der Vergangenheit

Münster / Toulouse. Daniel Sardeing ist kein Mann großer Worte. Selbst jetzt, da er vor den zwei goldenen Löwen steht, die sein Großvater einst in deutscher Kriegsgefangenschaft schnitzte, nickt der 80-Jährige bloß mehrfach, aber nachdrücklich. „Gefühle zeigen hat er nicht so gelernt“, sagt sein Sohn Michel in akzentfreiem Deutsch und legt seinem Vater mitfühlend die Hand auf die Schulter.

Die Zeit steht still an diesem frühen Nachmittag im Zwei-Löwen-Klub, als sich mehrere Generationen der Familie Sardeing im Foyer versammeln. Auf den Spuren der Vergangenheit, den Spuren der eigenen Familiengeschichte. Aus der Nähe von Toulouse hergeholt hat sie einer, der eigentlich die Kunstgegenstände des münsterischen Gesellschafts-Klubs pflegt: der Restaurator Alfred Eimers aus Rosendahl.

„Das Ganze ist nicht ganz unkompliziert“, sucht der 47-Jährige die Vorgeschichte zu umreißen. Angefangen hatte alles mit einer Inschrift am Sockel der beiden Holzlöwen. „Daniel Sardeing – französischer Kriegsgefangener/Lager I/Münster i./W.“, steht auf einem Metallschild als Hinweis auf den Künstler zu lesen.

Eine erste Recherche im Internet ergab nichts, wohl aber die Suche einer Freundin, einer französischen, in den Telefonbüchern rund um Toulouse. Dort, wo der seltene Name am häufigsten vorkommt.

„Sie wählte die Nummer eines Daniel Sardeing, mittags kurz vor 12 Uhr, und heran ging ein alter Herr, der sofort von den Löwen wusste“, erzählt Eimers. Sein Großvater, verriet der Franzose, sei während des Ersten Weltkriegs in deutsche Gefangenschaft geraten und habe ihm viel von Münster, seiner Bildhauer-Arbeit im Gefangenen-Lager und sogar von einer Treppe im münsterschen Rathaus erzählt, die er geschnitzt haben will. „Er hat sich nie beklagt, nie etwas Schlechtes über die Westfalen gesagt“, murmelt der 80-Jährige jetzt, da er mit seiner Frau vor den beiden Löwen steht. Im Foyer des Klubs, 2000 Kilometer von der Heimat entfernt, 90 Jahre, nachdem sein Großvater hier war. „Ein Hauch der Geschichte, fürwahr“, fügt Sohn Michel hinzu, als „professeur d’allemand“ ein echter Meister der deutschen Sprache.

Wahrscheinlich, glaubt er, habe die Kunst seinen Urgroßvater vor noch ganz anderer Arbeit bewahrt. Daniel Sardeing senior war ébéniste, Schreiner also, und liebte die Arbeit mit Holz. Bis zu seinem Tod im Jahr 1959 habe er geschnitzt und geschreinert, „dann hat er sich am Abend zum Schlafen hingelegt und ist gestorben“, sagt Michel mit einem Glitzern in den Augen.

Alfred Eimers hat heute ein Fotoalbum dabei, mit Bildern aus der Kriegschronik der Stadt Münster. Zu sehen sind, vergilbt und alt anmutend, Motive aus dem Kriegsgefangenen-Lager I, Haus Spital, in Gievenbeck, anno 1914. Französische, belgische und englische Kriegsgefangene, beim Malen von Porträts etwa, beim Sport oder Bildhauern. „Nach drei Monaten Krieg kam Sardeing, 31-jährig, hierher“, sagt Eimers. „Sein Glück, denn das hat ihm die Schlachtfelder von Verdun und Sedan erspart.“

Auf dem Kriegsgefangenenfriedhof nahe Haus Spital ist der Restaurator an diesem Tag auch schon mit seinen Gästen gewesen. Den Namen Sardeing aber haben sie nicht gefunden – „natürlich nicht“, hat Daniel da auf Französisch geflachst, „denn sonst gäbe’s mich ja nicht“. Deutsch-französische Verständigung, ein Austausch von Herzlichkeiten: So zitiert Michel, der Lehrer, später auf der Terrasse des Zwei-Löwen-Klubs einen Kollegen – einen Geschichtslehrer: Der Erste Weltkrieg, durch einen Waffenstillstand beendet, sei von Rechts wegen eigentlich noch gar nicht vorbei. „Wie wär’s?“, greift der Südfranzose da feierlich zum Glas Weißwein, „wie wär’s, wenn wir das mit dem heutigen Treffen nachholen?“

 

Von Julia Gottschick

 

 

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